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Chinqueda — The Classic Medieval Dagger

Chinqueda — Der klassische mittelalterliche Dolch

Eines der originellsten Messer des mittelalterlichen Europas war die italienische doppelschneidige Cinqueda (vom italienischen Cinquedea, was fünf Finger bedeutet). Die Zeit ihrer Beliebtheit war recht kurz und dauerte nicht länger als ein Jahrhundert, doch sie hinterließ ihre Spuren in der Geschichte der mittelalterlichen Waffen und spiegelt sich in der heutigen Volkskultur wider.

Die Cinqueda war von etwa 1450 bis 1550 in Norditalien verbreitet. Sie hatte eine kurze, fast dreieckige Klinge mit einem halbkreisförmigen Parier, der zur Klinge zeigte. Die ungewöhnlich breite Klinge, mindestens 8 Zentimeter bei einer Länge von 40, hatte auch ein beträchtliches Gewicht, und das Messer erhielt die Eigenschaften eines kurzen Schwertes. Um die Klinge leichter zu machen, wurden tiefe Rillen eingearbeitet, die an Finger erinnerten und dem ungewöhnlichen Dolch seinen Namen gaben. Historiker vermuten, dass die Entstehung dieses Messers durch die damals in Norditalien aufkommende Mode für die antike griechische und römische Kultur bestimmt war. Diese Messer tauchten ursprünglich in Verona als Schmuckstücke des lokalen Adels auf und waren eindeutig von den Waffen der Antike entlehnt. Sie übernahmen ihre Form teilweise von römischen Schwertern und in größerem Maße vom antiken römischen Kampfdolch, dem Pugio. Dieser hatte ebenfalls eine breite Klingenbasis und eine lange, spitze Spitze, obwohl die Klingenform unterschiedlich war. Er hatte auf beiden Seiten eine Rückbiegung und in der Mitte zwei gerade Lappen. Der Pugio wurde von römischen Soldaten ab dem ersten Jahrhundert v. Chr. verwendet und wurde ein Jahrhundert später zur „Regelwaffe“ der einfachen Legionäre und Unteroffiziere (Zenturionen, Standartenträger usw.). Die wichtigste Eigenschaft des Dolches war seine Fähigkeit, in engem Raum ohne Schwung zu arbeiten, sowohl mit Vorwärts- als auch Rückwärtsgriff. Er war nicht zum Fechten geeignet, sondern tatsächlich eine „Waffe der letzten Chance“, die auf kürzeste Distanz eingesetzt wurde.

Die Cinqueda übernahm diese Eigenschaft des antiken Dolches und wurde sofort zur Waffe der Selbstverteidigung. Sie wurde unter einem langen Mantel getragen, quer über den Körper am Gürtel befestigt. Nur der Griff war unter der Kleidung sichtbar. Das Messer wurde mit einer schnellen, leicht nach unten gerichteten horizontalen Bewegung gezogen, wobei das hohe Gewicht die Schnelligkeit des Ziehens unterstützte. Die Waffe war sofort einsatzbereit und ermöglichte kurze Stichschläge von unten nach oben und nach vorne. Außerdem erlaubte die breite Klinge Schneid- und Hiebschläge, was sie von anderen Dolchen unterschied.

In technischer Hinsicht nahm die Cinqueda eine Zwischenstellung zwischen Kurzschwert und langem Dolch ein. Die Standardklingenlänge betrug 35-40 cm, die Gesamtlänge des Messers 50-55 cm. Sie wurde aus Kohlenstoffstahl gefertigt, hatte drei oder vier breite Rillen an der Klingenbasis, die sich zur Spitze hin auf zwei und dann auf eine verengten. Die Klingen waren oft reich verziert und manchmal vergoldet. Die Griffe bestanden aus Holz oder Horn, teure Stücke waren mit Schnitzereien und Edelsteinen geschmückt. Der Fingerschutz war halbmondförmig, mit zu Spitze gebogenen Enden. Das Messer hatte einen doppelschneidigen Schliff, wie ein Dolch, über die gesamte Klingenlänge. Die Scheide war aus Holz, mit Leder überzogen und mit Metallbeschlägen versehen, manchmal aus Edelmetallen.

Die Mode, die Cinqueda zu tragen, verbreitete sich rasch nach Florenz und Venedig und dann über die nördliche Grenze Italiens hinaus. Das Messer wurde in Deutschland, Frankreich und Spanien beliebt. Der italienische Name setzte sich nicht durch, in Europa wurde der Dolch „Ochsenzunge“ genannt. Nach und nach verbreitete sich die Tradition, ihn zu tragen, von der Oberschicht zu ärmeren Gesellschaftsschichten und hielt dort lange an. Doch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ging das Tragen dieser ungewöhnlichen Waffe zurück. Die Adligen legten die Schwerter ab und wechselten zu leichteren, wendigeren Degen. Kleinere, leichtere Dolche wie der spanische Daga wurden als Nebenwaffen verwendet. Und schmale, stilettoähnliche Messer wurden unter der Stadtbevölkerung üblich. Die Cinqueda geriet in Vergessenheit und blieb nur in Waffensammlungen erhalten. Die moderne Popkultur ließ die Erinnerung daran jedoch nicht ganz verschwinden. 2009 erschien das plattformübergreifende PC-Spiel Assassin's Creed II. Der Protagonist Ezio Auditore da Firenze, angesiedelt im späten fünfzehnten Jahrhundert in Florenz, kam damals nicht ohne eine so beliebte Waffe aus. Und ein Jahr später, 2010, tauchte die Cinqueda im Spiel Assassin's Creed: Brotherhood erneut in den Händen des Helden auf, diesmal in Rom. Der Erfolg dieser Computerspiele veranlasste die Hersteller echter Messer, Modelle wie das Cold Steel Cinquedea herzustellen, die Fans historischer Nachstellungen erfreuten. Der legendäre Dolch des Mittelalters lebt in unserer Zeit weiter, wenn auch in der virtuellen Wirklichkeit.

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